Kobudo

Ryukyu Kobudo Tesshinkan

Ryukyu Kobudo Tesshinkan

Kobudo – das heißt übersetzt “die alte Kampfkunst”.

Diese Kampfkunst stammt von den Ryukyu-Inseln (Japan) und zeichnet sich durch den Gebrauch von Waffen aus. Eine Besonderheit dabei ist, dass die benutzten Waffen nicht die üblichen Waffen wie Schwert, Lanze oder Pfeil und Bogen sind, sondern primär Geräte der bäuerlichen Welt dieser Inseln.

David mit Sai

Zu diesen Waffen zählen u.a.

Als 1609 das Ryukyu-Königreich von den Satsuma, einem Samurai-Clan, besetzt worden war, wurden einige Jahre später 1613 sämtliche Waffen auf der Insel verboten. Für wen das Verbot genau galt, ist umstritten. Einige Quellen geben an, dass es für alle Inselbewohner, bis auf die Satsuma, gälte; andere nehmen den Hofstaat des einheimischen Marionetten-Königs aus. In den nächsten hundert Jahren kam es zu einer Vielzahl von Aufständen seitens der Bauern und Fischer. Mit ihren Arbeitsgeräten und etwas Kung Fu setzten sich die Einheimischen gegen die Besatzungsmacht zur Wehr. Wie die Geschichte zeigt, nicht allzu erfolgreich. Dieses ist die Quelle des Kobudo, einer Bauernkampfkunst.

Das ist die Geschichte des Kobudo, wie sie noch vor einigen Jahren propagiert wurde – romantisch und verklärt. Wie durch Forschung belegt wurde, sieht die Geschichte dieser Kampfkunst etwas nüchterner aus.

Das Szenario mit den sich wehrenden Bauern und Fischern gab es so in dieser Form. Jedoch ist das nicht direkt die Quelle des Kobudo, sondern eher ein seitlicher Ableger. Das Königreich Okinawa war China lange Zeit tributpflichtig. Im Gegenzug erhielten die sonst recht primitiv lebenden Okinawaner kulturelle Aufbauhilfe, so wurden 1392 in der Siedlung Kumemura etliche chinesische Familien angesiedelt, die als Spezialisten bei der Modernisierung der Insel dienten. Dort waren auch Kampfkünstler und Militärs dabei. Es gab regen Austausch zwischen China, speziell der Provinz Fukien/Fujian, und Okinawa und sehr viele Adlige und Mitglieder des Hofstaates wurden zur Ausbildung – in Literatur, Kriegswesen, Medizin und Kampfkunst – dorthin geschickt.

Im 18. Jahrhundert setzte eine Art Wende ein und das Kung Fu, welches auf Okinawa praktiziert wurde, verselbständigte sich beginnend mit Sakugawa (ca. 1733-1815). Zwar reisten noch viele der späteren Meister nach China, doch auf der Insel begannen sich eigene Traditionen im Kung Fu oder Te (“Hand”, “Kampfkunst mit der Hand”) herauszubilden. Festzuhalten ist, dass im 19. Jahrhundert nahezu alle bedeutenden Meister der Waffenkampfkunst im Staatsdienst standen, als Priester und Gelehrte wirkten oder aus einem reicheren Haus stammten.

Hagen mit Kama

Der Entstehungszeitraum des modernen Kobudo lässt sich ungefähr auf die Meiji-Restauration (~1868-1890) datieren, als der Adel und das Königtum auf Okinawa abgeschafft wurde. Viele der in den Kampfkünsten versierten Hofbediensteten wurden erwerbslos und mussten als Bauern oder Hilfsarbeiter ihr Auskommen bestreiten. So kam es, dass der Adel mit Gegenständen aus der bäuerlichen Welt in enge Berührung kam.  Mit der Aufhebung der Samurai-Klasse wurde ebenso das Tragen von Schwertern verboten. In diesen wirtschaftlich schwachen Zeiten blieb der Selbstschutz wichtig, allerdings konnte man sich nicht mehr auf die herkömmlichen Waffen wie das Schwert verlassen.

In dieser Zeit begann ein Meister des Te, Itosu Anko (~1832-1915), seine waffenlose Kampfkunst zu systematisieren. Andere Meister folgten dem Beispiel nach. Was daraus entstand, ist heute als Karate bekannt.

Entweder man verzichtete in Selbstverteidigung auf Waffen – oder man benutzte welche, die nicht als Waffen angesehen wurden und dadurch jederzeit mit sich geführt werden konnten. Letzteres war der Weg einiger Kampfkünstler, die schon bald einige Arbeitsgeräte für sich entdeckten, und diese neuen Waffen trainierten. Aus Berichten dieser Zeit ist bekannt, dass sich diese Kampfkunst behaupten konnte.

Die meisten der alten Meister, die ihre Ausbildung im Ryukyu-Königreich erhielten, d.h. vor ca. 1850 geboren wurden , starben um die Jahrhundertwende. Das Wissen um den Gebrauch dieser Arbeitsgeräte schien, auf ewig zu verschwinden. Ein junger Karate-Meister namens Moden Yabiku (1878-1944)  begann, als er den Verfall dieses Wissens bemerkte, so viel wie möglich davon zu lernen. Dem Beispiel Itosus folgend systematisierten er und sein Schüler Taira Shinken (1897-1970) dieses Wissen. Taira Shinken führte das Werk seines Lehrers fort und lernte viele Waffen kennen, gründete den ersten großen Kobudo-Verband und machte das Kobudo in der Welt bekannt.

Kobudo ist keine Bauernkampfkunst. Es ist eine Kampfkunst des Adels, die sich bäuerlicher (Sichel, Dreschflegel, Paddel) und traditioneller Waffen (Sai, Stock, Schild und Kurzspeer) bedient. Gleichwohl ihre Wurzeln über 400 Jahre zurückreichen, ist das moderne, systematisierte Kobudo erst etwas über hundert Jahre alt. Übrigens sind Karate, Judo, Aikido und Kendo ähnlich alt – sie alle haben Wurzeln die weit ins Mittelalter reichen, doch sind die heute trainierten Formen, systematisiert und zivilisiert, zwischen hundert und hundertdreißig Jahre alt.

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